Besucherzentrum Mallnitz des Nationalpark Hohe Tauern


Bartgeier Caeli und Kasimir

ausgewildert

 

Seit 32 Jahren wird der Bartgeier wieder in den Alpen angesiedelt. Caeli (Pate der Projektsponsor Österreichische Lotterien) und Kasimir (Patin Barbara Stöckl) bekamen im Mallnitzer Seebachtal ein neues Zuhause.


Foto Peter Schober
Foto Peter Schober

Am 8. Juni fand zum sechsten Mal im Kärntner Teil des Nationalparks Hohe Tauern eine Freilassung von zwei jungen Bartgeiern statt. Bevor die beiden als Nestlinge in ihren Horst kamen, wurden Flügel- und Schwanzfedern gebleicht, um sie bis zur ersten Vollmauser (Anm.: vollständiger Wechsel des Gefieders innerhalb des Mauserzyklus) nach drei Jahren leicht zu erkennen. Zusätzlich wurden die Geier beringt und mit GPS-Sendern bestückt.

Einer der beiden Junggeier stammt aus Haringsee/NÖ, der zweite aus Andalusien. In ihrem Horst kann das Heranwachsen der beiden Jungvögel, von den ersten Flugversuchen bis zum endgültigen Verlassen des Horstes, ab sofort täglich beobachtet und miterlebt werden. Am Fuße des Freilassungsplatzes wurde ein betreuter Beobachtungsstand eingerichtet. „Ich bin sehr stolz auf den großen Erfolg dieses länderübergreifenden Projektes!“, erklärt die Kärntner Landesrätin und Nationalpark-Referentin Sara Schaar, welche auch im Namen ihrer politischen Kollegen aus Salzburg, Dr. Astrid Rössler, und aus Tirol, Mag. Ingrid Felipe, sprach. „Die beiden Neuzuwächse befinden sich nun in freier Wildbahn und können in ihrem Horstbereich täglich bis Ende August beobachtet werden. Unsere prächtigen Bartgeier sind zum Markenzeichen des Nationalparks Hohe Tauern geworden."

Diese Auswilderung ist eingebettet in das internationale Wiedereinbürgerungsprojekt der Wiederansiedlung der Bartgeier in den Alpen, bei welchem der Nationalpark Hohe Tauern seit Anfang an aktiv eingebunden ist und im Rauriser Krumltal 1986 die erste Freilassung stattfand. Bartgeier kennen keine von Menschen gezogenen Grenzen, es wird daher beim Bartgeierprojekt über die Länder- und Staatengrenzen hinweg zwischen Nationalparks, Schutzgebieten, Naturschutzorganisationen, Behörden, Zoos, Jägerschaften und Universitäten hervorragend national und international zusammengearbeitet. Das Projekt ist ein ausgezeichnetes Beispiel nationalen und internationalen Natur- und Artenschutzes. Über Jahrzehnte haben sich engagierte Persönlichkeiten und Schutzgebiete ganz den Bartgeiern verschrieben und alle – oftmals gedanklichen - Barrieren überwunden. Die Wiederansiedelung des Bartgeiers hat sich so zu einem der erfolgreichsten Artenschutzprojekte in Europa und im Nationalpark Hohe Tauern entwickelt und ist ein wichtiger Beitrag für die Vielfalt der Tierwelt in den Alpen.

Bei einem so großen, kosten- und ressourcenintensiven Projekt bedarf es der Unterstützung verlässlicher Partner. Ein großer Dank gilt allen projektbeteiligten Partnern und auch den finanziellen Unterstützern,  welche es ermöglicht haben, dass die imposanten „Könige der Lüfte“ heute wieder im Alpenraum segeln. Dieses länderübergreifende Artenschutzprojekt wird wesentlich aus dem EU- Förderprogramm Ländliche Entwicklung gefördert. Zusätzlich haben als jahrelanger Partner auch heuer wieder die Österreichischen Lotterien als Förderer diese Wiederansiedlung der Bartgeier unterstützt. Damit ist Caeli ein weiterer junger Bartgeier, dem die Österreichischen Lotterien finanziell unter die Flügel greifen. Auch die Kärntner Jägerschaft unterstützt das Projekt seit den Anfängen tatkräftig.

Hintergrundinformationen zum Bartgeierprojekt

Der Bartgeier war einst von Spanien über die Alpen bis hin in den Himalaya verbreitet. Wohl kaum ein anderer Greifvogel beeindruckte die Menschen so nachhaltig, wie zahlreiche Fabeln und Legenden zeigen. Der friedliche Bartgeier wurde als blutrünstige Bestie dargestellt, welche sogar vor Kindesraub nicht zurückschreckte. Dem Bartgeier wurde zu Unrecht auch das Töten von Gämsen und der Raub von Lämmern zugeschrieben, was auch zu seinem volkstümlichen Namen „Gamsgeier“ und „Lämmergeier“ führte. Die Bezahlung von Fang- und Schussgeldern führte dazu, dass die Tiere auf jede nur mögliche Art und Weise verfolgt wurden. Weitere Gründe für den Rückgang und die teilweise Ausrottung der Bestände waren der Einsatz von Giftködern, der Abschuss im Auftrag von zoologischen Sammlungen und in einigen Gebieten ein Versiegen der Nahrungsquellen. In den Alpen wurde der Bartgeier im Verlaufe des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Am längsten überlebte er noch in den Westalpen, wobei die letzte nachgewiesene Brut aus dem Jahre 1910 belegt ist. In Europa überlebten Bartgeier nur in den Pyrenäen, auf Korsika und auf Kreta sowie in wenigen Exemplaren auf dem griechischen Festland. Die Bestände sind dort überall stark gefährdet.

Nach mühevoller und langwieriger Suche nach geeignetem Zuchtmaterial ist es dem Alpenzoo Innsbruck unter dem damaligen Direktor Dr. Psenner gelungen, die ersten Bartgeier zu züchten. Dieser Erfolg des Alpenzoos Innsbruck war der Grundstein des Bartgeier-Projektes und damit ein wesentlicher Beitrag für eines der bedeutendsten Artenschutzprojekte. Aufgrund regelmäßiger Zuchterfolge konnte dann 1978 mit Unterstützung der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, des WWF Österreich und der Schweiz sowie der Weltnaturschutzunion IUCN das internationale Projekt zur Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen gegründet und die wichtigsten Richtlinien und Ziele des Projektes festgelegt werden. Als oberstes Ziel gilt die Etablierung eines ohne menschliche Hilfe überlebenden Bestandes. Auf Wildfänge wird im Projekt gänzlich verzichtet, um bestehende Populationen nicht zu gefährden.

Seit der ersten Freilassung 1986 im Nationalpark Hohe Tauern wurden alpenweit 216 Junggeier, davon 61 in Österreich, freigelassen. 1997 flog der erste „wilde“ Bartgeier nach dem Start des internationalen Wiedereinbürgerungsprojektes in Hochsavoyen (F) aus. Bis zum Jahr 2017 waren es in Summe bereits 204, alleine im Vorjahr schon 31 Junggeier. Alpenweit bestehen trotz der letztjährigen Rekordzahlen große regionale Unterschiede. Während um den Mt. Blanc sowie um den Schweizer und Stilfserjoch Nationalpark die Zahl der Brutpaare und der Jungvögel bereits relativ hoch ist und dort erste dichteabhängige Mechanismen wirksam werden, besteht in den Süd-West- und den Ostalpen noch großer Aufholbedarf. In Österreich gibt es bisher erst zwei erfolgreiche Brutpaare und der Bestand weist eine hohe Fluktuation, einen hohen Verlust an Altvögel und eine hohe Sterblichkeit auf. Als Hauptfaktor wurden Bleivergiftungen identifiziert. Deshalb wurden im Nationalpark Hohe Tauern und der Nationalparkregion Initiativen zur Förderung der bleifreien Büchsenmunition gestartet und das Monitoring gestärkt. Eine Lösung dieser Frage hat höchste Priorität  im Alpenprojekt, aber auch für den Aufbau einer Metapopulation, da die Ostalpen einen wichtigen Trittstein und Brückenkopf nach Südosteuropa bilden.

Heuer haben in den Hohen Tauern drei Bartgeierpaare gebrütet, und wir können uns auf weitere zwei „wilde“ Bartgeier im Salzburger Krumltal und im Kärntner Katschberggebiet freuen. Leider kam es beim Osttiroler Paar zu einem Brutabbruch. Zuversichtlich wird noch in das Tiroler Lechtal geschaut, ob heuer dort noch ein junger Wildvogel geschlüpft ist. Erfreulicherweise wird erstmals in den Ötztaler Alpen auf Südtiroler Seite ein junger Bartgeier in freier Wildbahn ausfliegen.

Ein äußerst wichtiger Bestandteil des Projektes ist die möglichst genaue Überwachung der freigelassenen Bartgeier auf ihrem weiteren Lebensweg. GPS- Sender liefern laufend aktuelle Positionen. Zusätzlich erlauben gebleichte Federn und Ringe die freigelassenen Vögel eindeutig zu identifizieren. Um den weiteren Lebensweg der freigelassenen Bartgeier verfolgen zu können, wurde ein begleitendes wissenschaftliches Monitoring installiert. Dazu wurde im ganzen Alpenraum ein Netz freiwilliger Beobachter aufgebaut. Dank der Mitarbeit der lokalen Bevölkerung, Nationalpark- Mitarbeiter, Jäger, Ornithologen, Bauern und Touristen können Bartgeier so weiter kontrolliert werden. Bartgeiermeldungen bitte an: beobachtung@gmx.net.

Die aktuellen Flugbewegungen der bisher ausgewilderter Junggeier können unter https://hohetauern.at/de/online-service/bartgeier-online.html mitverfolgt werden.

 


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